beitrag: smartphones vs. realität – umgang mit kmmnktn auf höhe der zeit (#dfdu) / cc @strippel, @autopoiet

einige beobachtungen aus meinem alltag gaben mir anlass folgenden tweet zu verfassen:

es war wie beschrieben: das fröhliche zusammensein ließ keine smartphones zu. dass man etwas twittern könne während um einen herum fröhlich gesungen wurde, wurde mit großem unverständnis für absurd befunden. wenig später am abend:

dieses ereignis gab mir wirklich zu denken und gibt es nachhaltig. es schien ich war der einzige dem auffiel wie seltsam es anmutet, ein lied wie “die gedanken sind frei” zu singen, das um toleranz, freiheit der gedanken, freiheit zu denken, freiheit des einzelnen im allgemeinen als ein gut der gesellschaft, einer gesunden gesellschaft vielleicht, zum thema hat – dennoch direkt im anschluss zu mir zu sagen, ich solle doch mein iphone wegpacken es sei unsozial, ja “unkommunikativ” – nach luhmann nicht zu weit entfernt von einander – (ich war gerade dabei zu twittern…).

es ist vielleicht auch interessant, dass ich in einer studentenwg wohne, die sich, wie oft bei studenten, als relativ links, ökologisch bewusst, tolerant, mit spannenden ideen zur verbesserung der welt und einer gesunden portion glaube an das gute (sowie an die möglichkeit es vom schlechten zu unterscheiden) versteht. eben diese wg hat nun mit einigen freunden das lied “die gedanken sind frei” gesungen und mir sofort darauf zu verstehen gegeben, dass ein iphone zu benutzen, während die mehrheit etwas anderes macht, mit dieser freiheit nicht gemeint sei. das wurde selbstverständlich nicht explizit thematisiert, aber implizit sehr deutlich.

 

die kommunikation im ganzen auf twitter:

meiner meinung nach werden hier ganz unterschiedliche unterscheidungen verhandelt: real / virtuell ist dabei ja nur eine (und eine, die wir mit @sms2sms gelöscht haben! bd 2 s. 84-87)

und medial / nicht medial

eine andere ist vielleicht: individuell / sozial (unsicher ob die begriffe tragen)

und auch: handeln / denken

und: freiheit / zwang

 

aus meiner sicht, gerade von der zurückgekommen, wirkte das in diesem moment vollkommen absurd – nur zwang die soziologische perspektive sofort mit zu beobachten, dass ich damit ziemlich alleine war. sei es wie es sei: die moral- und gesellschaftsvorstellungen einiger, interessanter weise ja gerader derer, die sich als weltoffen, tolerant und freiheitsliebend begreifen, scheinen in einem widerspruch zur sozialen ‘realität’ zu treten also den beobachtbaren umständen.

 

die unterscheidung real / virtuell wurde, da stimme ich voll @sms2sms und auch @autopoiet zu, gelöscht, nur hat das noch nicht jeder begriffen. ein smartphone als assozial, weil e kommunikation verhindernd, zu betrachten halte ich persönlich natürlich für absurd. die   beweist das gegenteil, und ebenso die obenstehende twitterkommunikation, ach ich würde sterben bei dem versuch auch nur einen bruchteil der gegenbelege aufzuzählen…

 

auch schön finde ich auf diesen blogeintrag zu verweisen von @diplix wenn er patricia (patricia wer?) zitiert die meinte:

“Mich hat das Internet wirklich glücklich gemacht. Wie jeder ordentliche Mensch unserer digitalen Generation hat es mir alles geschenkt: Meine Wohnung, meinen Job, meine Arbeitskollegen, meine Freunde, meine Bildung, meine Freizeit und nicht zuletzt meinen Ehemann. Lediglich die Kinder sind nicht aus dem Internet. […]
 
Und das Schönste: Ich habe verstanden, dass das Internet keine Technologie ist, sondern aus Menschen besteht. Manche dieser Menschen kenne ich in der Zwischenzeit persönlich, andere nicht, aber allen möchte ich sagen: Danke! Ohne Euch wären 8 Jahre Blog doof.”

von der these, das internet bestehe aus menschen, möchte ich selbstverständlich als systemtheoretiker abstand nehmen. aber wenigstens wird hier ein der selbe attributionsirrtum vollzogen, der weiterhin hochpopulär unsere tägliche kommunikation sowie weite teile des eigenen denkens und handelns bestimmt, nämlich, dass gesellschaft aus menschen besteht und menschen kommunizieren (ob jetzt im internet oder über andere medien oder eben ohne (ohne???) ). das internet nicht mehr teil der lebenswelt, technisch vermittelte kommunikation als weniger zu verstehen, das klingt nicht nur nach 80s das klingt fast nach 1680s.

ebenfalls spannend finde ich die unterscheidung, die ich auf der hörte: kohlenstoffwelt / netzwelt. welt indeed, wenn wir mit luhmann sagen können:

“Ein wichtiges Moment ist jedoch immer: daß es sich um eine Welt handelt, also um eine Gesamtheit von nicht aktuell, nicht auf einmal thematisierten Voraussetzungen.” (luhmann, wissenschaft der gesellschaft , s. 161)

ich wollte mich an diesem abend eigentlich nicht ärgern. wenn es auch u.a. meine wg ist und ich mir schon erhofft hatte, dass dort “die gedanken frei sind”. es hat mich dann doch ein wenig geärgert. aber wer weiß, vielleicht hat nur der ärger mich dazu gebracht es zu überdenken: warum ärgere ich mich? was ist hier passiert? wie lässt sich das verstehen und erklären?

note to myself: in zukunft nicht ärgern, nur wundern.

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  1. stimme voll zu wenn ich auch begrüße, dass niemand in der vermutung ich würde nur (ob online oder nicht ist eigentlich egal) rumdaddeln, zum mittel der überraschenden körperlichen gewalt griff.zum löschen von unterscheidungen: inwiefern sinnfrei? ich finde dass wir hier drüber reden beweist schon dass sinnvoll. aber auch in ganz direktem verstehen finde ich muss man gelegentlich in der lage sein können, eine unterscheidung für nicht mehr (hier: soziologisch) hilfreich zu befinden und zu löschen. ob sozial wirksam, das heißt auf der objektebene ist ja dann wieder eine andere frage. hier besonders müssen wir ja eben genau die differenz zwischen soziologisch abwegig (gelöscht) aber sozial kontrafaktisch (!) aufrechterhalten, also wirksam, beobachten. d.h. wenn löschen heißt: die unterscheidung SELBST nicht mehr zu beobachten – das wäre soziologisch wohl blödsinn, ist sie doch offensichtlich ‘wirksam’. wenn löschen aber heißt: nicht mehr (soziologisch) real / virtuell unterscheiden, dann finde ich es sehr hilfreich.@sms2sms und dirk baecker sprechen hier davon, dass nach dem löschen der unterscheidung man erst mal mit leeren händen da steht… daraus erwächst aber eine chance, oder wie @sms2sms darauf hingewiesen hat: “// :: apropos “offener fenster”:- “fenster sein, nicht spiegel” (rilke) http://www.epfischer.com (mein pen-bruder: http://pen-club.li/mitglieder.html ;-) in seiner wunderbaren replik auf schwanitz: die andere bildung. kapitel: “einblick: wissenschaft als fenster denken”” (siehe: http://independence-in-dependence.posterous.com/reading-the-list-of-the-delet… )unterscheidungen zu löschen sind dann wohl fenster (siehe auch: http://loosely-connected.posterous.com/hackweek-in-der-wssnschft-hier-ist-ein… oder: https://twitter.com/obsrvng_obsrvrs/status/197970935398137856 ) und siehe eben oben zitierte stelle aus #dfdusinnfrei in diesem sinne nicht: löschen öffnet möglichkeitsräume, die welt mit anderen augen zu betrachten. und als soziologische (etische) unterscheidung hat real / virtuell wohl sicher ausgedient…

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